Wenn die Tage wieder länger sind, die Sonne spürbar wärmt, und die Natur wieder erwacht ist, verändert sich die Stimmung bei vielen Menschen häufig ganz von selbst. Licht, Farben und Bewegung kehren zurück in die Natur. Kein Wunder also, dass viele gerade im Frühling neue Energie verspüren. Für Gartenliebhaberinnen und Gartenliebhaber beginnt jetzt eine besonders schöne Zeit, denn: Frühlingszeit ist Gartenzeit.
Das alljährliche Frühlingserwachen wirkt sich nicht nur auf die Landschaft aus, sondern auch auf unser Wohlbefinden. Die längeren Tage und die häufigere Sonne wirken sich positiv auf den Biorhythmus aus. Der Körper produziert mehr Glückshormone, wir fühlen uns wacher, aktiver und optimistischer. Auch die Natur trägt ihren Teil dazu bei: Die ersten blühenden Pflanzen bringen wieder Farbe in Gärten, Wiesen und Parks. Schneeglöckchen, Krokusse, Narzissen oder Tulpen gehören zu den klassischen Frühlingsboten und zeigen, dass die kalte Jahreszeit endgültig vorbei ist.
Bewegung im Freien tut gut
Nach den Wintermonaten zieht es uns wieder nach draußen: in den Garten, auf Spazierwege, auf den Balkon oder in den Park. Die frische Luft, das sanfte Zwitschern der Vögel und das leise Summen der ersten Bienen schaffen eine wohltuende Atmosphäre. Spaziergänge, Radfahren oder leichte Gartenarbeit bringen den Kreislauf in Schwung und stärken Muskeln und Gelenke. Schon moderate Aktivitäten verbessern Ausdauer, Beweglichkeit und Gleichgewicht. Gleichzeitig stärkt Bewegung an der frischen Luft das Immunsystem und sorgt für bessere Schlafqualität.
Der Garten als Ort für Körper und Seele
Wer einen Garten hat, erlebt den Frühling besonders intensiv. Nach dem Winter gibt es wieder einiges zu tun: Beete vorbereiten, Pflanzen zurückschneiden oder erste Blumen setzen. Doch Gartenarbeit ist weit mehr als nur eine Aufgabe – sie verbindet Bewegung mit Entspannung und ist wohltuend für Körper und Seele. Auch kleine Gärten, Balkone oder Fensterbänke können zu einer grünen Oase werden. Kräuter, Blumen oder ein paar Gemüse- und Obstpflanzen bringen Natur direkt nach Hause und bereiten Freude – sei es beim Pflanzen, Pflegen, beim Beobachten oder Ernten.
Biogärtner Karl Ploberger im Interview
Karl Ploberger erzählt im WIRaktiv Interview, was jetzt zu tun ist, und welche Gartenmomente er besonders genießt.
Mein wichtigster Ratschlag ist immer: nichts übereilen und vor allem genießen – das ist ja die wichtigste Aufgabe eines Gartens: Erholung.
Lieber Herr Ploberger, mit dem Frühling beginnt auch die Gartensaison – worauf sollten Hobbygärtner jetzt besonders achten?
Mein wichtigster Ratschlag ist immer: nichts übereilen und vor allem genießen – das ist ja die wichtigste Aufgabe eines Gartens: Erholung. Aber dennoch: Obstbäume schneiden, Kompost verteilen und düngen – organisch, das baut Bodenleben auf und stärkt die Pflanzen.
Auf welche Pflanzen freuen Sie sich besonders, wenn die Gartensaison losgeht?
Meine Lieblinge im zeitigen Frühjahr sind die Schneeglöckchen. Da blühen bei mir zehntausende – wirklich! – im Garten. Viele ganz normale, aber auch sehr viele außergewöhnliche Sammlerstücke. Dann kommen schon die Alpenveilchen – ganz genau die „Vorfrühlingsalpenveilchen“ – und die Narzissen und Tulpen. Im Gemüsegarten ernten wir Vogerlsalat und hoffentlich bald die ersten Radieschen.
Welchen Rat haben Sie für Menschen, die nur einen Balkon oder Fensterbänke zur Verfügung haben – wie kann man auf kleinem Raum ein Gartenparadies schaffen?
Die Liebe geht „durch den Gaumen“. Daher unbedingt Kräuterkisterl pflanzen. Rosmarin, Salbei, Thymian und dazwischen ein paar Primeln oder Narzissen. Dann kann man Nutzen und Genuss verbinden. Später dann unbedingt eine Rose im Topf aufstellen, vielleicht einen kleinen Säulen-Apfelbaum oder ein paar Beerensträucher. Da gibt es viele neue, kompakt wachsende Balkonsorten, die köstlich schmecken.
Haben Sie Tipps, was wirklich jeder erfolgreich im Topf ziehen kann?
Die Küchenkräuter sind sicherlich die dankbarsten: Schnittlauch, Petersilie oder auch Dill. Wobei letzterer eine Vorliebe hat: er darf fast nicht mit Erde bedeckt werden, denn er ist ein sogenannter Lichtkeimer. Und beim Gemüse gehören für mich die Pflücksalate ganz oben auf die Liste.
Viele Menschen unterschätzen Gartenarbeit als körperliche Aktivität. Welche gesundheitlichen Vorteile sehen Sie darin?
Ich hatte letztes Jahr einige Probleme mit meinen Beinen – zu wenig Bewegung, zu viel beim Schreibtisch oder im Auto. Seit ich wieder intensiv Gymnastik mache, Krafttraining und gleichzeitig auch im Garten werkle, ist das Problem immer weniger geworden. Muskelaufbau und Bewegung sind der Schlüssel – und so richtig untätig ist man in einem Garten ja nie: Bücken, Strecken, (richtig) heben… das Fitness-Center im Grünen!
Wie kann man Gartenarbeit so gestalten, dass sie auch im höheren Alter nicht zu anstrengend wird?
Ob jung oder alt: man darf sich nicht zu viel vornehmen und auch unbedingt um Hilfe bitten, wenn es zu schwer wird. Die meisten Unfälle im Garten passieren mit einer Leiter – also lieber eine Sprosse weniger erklimmen und das Enkelkind um Mithilfe bitten.
Viele Menschen empfinden Gartenarbeit als besonders entspannend. Warum tut der Aufenthalt im Garten der Seele so gut?
Ich denke es ist dieser unendliche alte Kreislauf der Natur, der sich durch nichts und niemanden verändern lässt. Das Wachstum zu Beginn, die Blüte, die Ernte. Das Samenkorn, das in die Erde gelegt wird, lässt ich nicht durch irgendwelche digitalen Raffinessen antreiben – es keimt, wie es das seit ewigen Zeiten getan hat.
Was bedeutet Ihr Garten und die Gartenarbeit für Ihr persönliches Wohlbefinden?
Ich komme gerade vom Schneiden der Brombeeren. Ein Dickicht am Beginn und nun ein perfektes Spalier. Man kommt bei solchen Arbeiten „herunter“, vergisst den Alltag und – das ist das Wichtigste – ich freue mich schon auf die vielen Beeren, die dann im Sommer geerntet werden können. Und wenn man dann am Abend unter der Dusche steht und man alle Muskeln seines Körpers spürt – dann ist das „Workout“ perfekt gewesen!
Welche Momente im Garten genießen Sie besonders?
Wenn ich bei meinem Teich sitze, wo ein kleines Wasserspiel so glucksende Geräusche von sich gibt, die Libellen vorbeiziehen und die Vögel und Bienen am Ufer Wasser holen – dann genieße ich dieses kleine Stück Natur, das ich in den letzten drei Jahrzehnten geschaffen habe. Eine Oase für Mensch, Tier und für viele Pflanzen.
